
- Björn M. (Mitte) ist einer der dienstältesten Musiker der Stüba-Philharmonie. Begeistert von der Atmosphäre des Orchesters sind auch die Neuzugänge Morris Kliphuis aus Amsterdam und Juliane S. aus Suhl. Heute gibt die „Stüba“ ein Benefiz-Konzert in Ilmenau. FOTO: frankphoto.de
Die Musiker der Stüba-Philharmonie widerlegen das Bild einer frustrierten Jugend
Im Jugendbildungsheim „Am Rennsteig“ bei Schmiedefeld herrscht derzeit Hochbetrieb. Das Jugendorchester Stüba hat Quartier bezogen, probt fürs neue Programm. Hinter dem Namen Stüba verbirgt sich ein ganz besonderes Projekt, wie selbst die Bundeskulturstiftung würdigt.
von: Frank Hommel (Freies Wort)
Dieser Baum ist längst riesig geworden. Er treibt Blüten in ganz Deutschland und manchmal darüber hinaus. Seine Wurzeln liegen im Thüringer Wald. Der Orchestername Stüba verweist auf Stützerbach. Von dort stammen die Gründungsmitglieder. Zweimal im Jahr, sommers wie winters, treffen sich alle am Rennsteig, hoch über dem Luftkurort. Immerhin an die 100 Musiker.
„Los ging es einfach mit einer Party im Wald“, erzählt Björn M., 29, einer der „Dienstältesten“. Mehr als zehn Jahre ist das her. Im Jahr darauf brachten sie Instrumente mit. „Das hat sich von allein entwickelt“, erzählt der Geiger. Vereins-Chef Jens Kobe: „Aus der Kleinen Nachtmusik früh um vier.“ Dann begannen sie, Musiker zu suchen. 1999 gründeten sie die Stüba, ein Orchester samt Verein.
Acht Jahre später besteht die Stüba aus Sinfonie-, Kammer- und Barockorchester, Puppenspiel, Nachwuchsprojekten. 120 Mitglieder wohnen in ganz Deutschland verstreut. Alles haben die jungen Leute allein auf die Beine gestellt. M.: „Unser Erfolgsgeheimnis ist vielleicht, dass man bei uns jederzeit Leute findet, die die Lust haben, etwas zu tun. Man fängt eben einfach an!“
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Projekt mit Clueso
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„Nicht reden, machen“, gibt Kobe stolz sein Motto aus. Berechtigt, wenn man sieht, wie das Orchester probt, in einer einfachen Lagerhalle des Frauenwalder Bunkermuseums. Wie alle mit Spaß, aber gewissenhaft bei der Sache sind, als Dirigent Martin Lentz die Backen aufbläst und demonstriert, wie er sich die Posaunen bei „Harold in Italien“ von Hector Berlioz vorstellt: „Ba-ba-bababa.“
Atmosphärische Störungen scheinen fremd. „Alle halten zusammen, es gibt keine Grüppchenbildung“, sagt Juliane Schmidt, neue Hornistin aus Suhl, „man hat Spaß auch nach der Probe.“ Morris Kliphuis (20) aus Amsterdam, über das weit reichende Beziehungsnetz neu zur Stüba gestoßen: „Es ist für mich wie Urlaub. So etwas gibt es nicht oft. Ich spiele beim Studenten-Orchester Utrecht. Das ist sehr alt, etwa 1850 gegründet. Ob es das aber ohne die Universität Utrecht geben würde, weiß man nicht.“
Die Stüba jedenfalls gibt es ohne Institution in der Hinterhand. Eigeninitiative heißt das. Von Politikern oft gefordert, von jungen Menschen realisiert. Der Beweis, dass es nicht nur jene gibt, die ihren Frust durch den Alltag schieben.
„Das ist tatsächlich etwas Besonderes“, lobt Tinatin Eppmann. Sie ist Sprecherin der Bundeskulturstiftung. Die Stiftung ist vom Engagement der Stüba so begeistert, dass sie dem Orchester von sich aus eine Förderung vorgeschlagen hat. Dabei geht es um Nachwuchsprojekte, aber auch um eine Geschichte, die ebenfalls zufällig entstand: Die Zusammenarbeit mit Clueso.
Die war zunächst nur als Geburtstagsgeschenk für den Erfurter Hip-Hop-Sänger gedacht. Ein gemeinsamer Auftritt bei Stefan Raab und ein Konzert in Berlin folgten. Die Stiftung macht weitere Konzerte möglich. Eppmann: „Es ist herausragend, junge Leute so an den Musikschatz heranzuführen.“
M. berichtet: „Die Leute, die zu Clueso gehen, erleben ein klassisches Orchester. Und sind anders dabei als beim Schulkonzert. Anfangs war es beim Konzert noch sehr laut. Doch mit der Zeit merken die Leute: Man kann es am besten genießen, wenn man zuhört.“

- KONZERTERLEBNIS: Junge Musikertalente aus Japan spielten mit Gästen der Stüba-Philharmonie und des Jenaer akademischen Orchesters.
„Aichi Gakusen University Orchestra Japan" spielte vor 300 Konzertbesuchern in Ilmenaus Festhalle
Für die Ilmenauer und Konzertgäste aus dem Umland war das Musizieren des „Aichi Gakusen University Orchestra Japan" am Freitagabend in der Festhalle ein schönes Geschenk.
Von Karl-Heinz VEIT
ILMENAU (it).
Beim Hinausgehen nach zweistündigem Konzertieren war nach dem großen Schlussbeifall auch das verbale Lob der beglückten Besucher unüberhörbar. Mit Attributen wie „schön", „wunderbar", „großartig", wurde die Gesamtheit des Abends charakterisiert, der weit mehr als nur das professionelle Musizieren der jungen Japaner und ihrer deutschen Freunde von der STÜBA-Philharmonie und der akademischen Orchestervereinigung Jena unter der Leitung von Kozo Yoshimi, bot.
Der aus Stützerbacher stammende Trompeter und Mitgründer des Projektorchesters STÜBA-Philharmonie, Jens Kobe, begrüßte zu Konzertbeginn die etwa 300 Zuhörer und stellte das Gastorchester kurz vor. Von vier Konzerten, zwei davon in Dänemark, spielten, die gut 50 Orchestermusiker in Jena und nun als Tourneeab-schluss in Ilmenau ein Programm, das für die meisten Zuhörer ein echtes Wunschkonzert war. Bekanntes, Schönes und klassisch Romantisches aus der europäischen Musikszene hatten sich die Japaner, vermutlich auch unter dem Gesichtpunkt des hohen Unterhaltuhgswertes der einzelnen Werke, ausgewählt und bereits damit ins Schwarze getroffen. Die Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla" von Gioachino Rossini als Eingangsstück diente sowohl dem Bekannt machen des großen philharmonischen Orchesters mit dem Publikum, als auch dem Einspielen der Musiker. Was spürbar wurde, war der große Sympathiebonus, den die Konzertgäste den jungen Musikern entgegen brachten. Dieser steigerte sich beim folgenden Stück, der „Nussknackersuite", Op. 71 a, von Pjotr Tschaikowski. Für die solistisch geforderten Musiker war diese Suite eine gut gemeisterte Herausforderung. Ob Blech- oder Holzbläser, Celesta- und Triangel-Spieler - die Celesta ist jenes selten zu hörende Instrunient, das die himmlisch „klimpernden" Töne, als unverkennbares Markenzeichen der Nussknackersuite produziert - alle gaben, voll konzentriert, ihr Bestes.
Das japanische Medley, eine musikalische Jahreszeitenskizze, erinnerte eher an eine Filmmusik, wie man sie aus amerikanischen Indianer- oder Westernfilmen kennt. Japanischer klang dann doch im Zugabenteil ein liedhafter und sehr freudvoller Song. Beim Mussorgsky-Stück „Bilder einer Ausstellung" führte der Dirigent sein internationales Orchester zur Hochform und echtem, nachvollziehbaren Musizierspaß der jungen Leute. Dass der Radetzky-Marsch als erste Zugabe gespielt wurde, dankten die Zuhörer durch besonders kräftig klatschendes Mitgestalten. Mit besten Eindrücken von und Erinnerungen an Deutschland, zu denen die Ilmenauer beim Konzert keinen geringen Beitrag leisteten, sind die japanischen Gäste bereits auf der Heimreise.
Mehr als 70 junge Damen und Herren aus Japan gestalteten am vergangenen Freitag einen anspruchsvoflen Konzertabend in der Festhalle Ilmenau. Das Studentenorchester der Aichi Gakusen Universität brachte unter der Leitung von Kozo Yoshimi zu Beginn die Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla" von Rossini zu Gehör. Neben Auszügen aus Tschaikowskis „Nussknackersuite" und Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung" spielten die Studenten in dem gut eineinhalbstündigem Programm natürlich auch etwas aus dem Heimatland, ein „Medley of Japanes". Den 200 Zuhörenden gefiel der Abend offensichtlich, sie forderten eine Zugabe, es erklang der „Radetzkymarsch".

- we / FOTO: b-fritz.de
Cluesos Sinfonie No.1
Live aus Berlin: radio kills the video star
Mit dem Thüringer Jugendorchester „Stüba Philharmonie" probt Clueso seit Tagen in einer geheimen Location. Heute Abend spielt das Sinfonie-Orchester live on air mit Clueso und Band im Berliner Postbahnhof für Radio Fritz.
Von Henryk BALKOW
GEHEIM.
„Nicht das Video macht Dich und Deinen Song fetter" — in seinem Track „Don't the video" schießt Clueso scharf gegen billige Konserven und bedauert, wie Musikvideos die Radiostars von früher abgelöst haben. Mit einer einmaligen Aktion hilft der Produzent aus Erfurt jetzt einmal mehr dem Äthersender auf die Beine. Radio Fritz veranstaltet heute Abend in Berlin
im Postbahnhof ein Sinfonie-Konzert mit Clueso und Band. Voller Vorfreude rufen sogar Fans aus Asien beim Sender an. Aus dem geheimen Probenraum bei Jena berichtet der Jugendsender des öffentlich-rechtlichen Senders RBB über den Fortgang des Projektes. Die 75 jungen Orchester-Musiker aus Thüringen sind aufgeregt, aber die Proben laufen nach Plan und der Dirigent Martin Lentz fühlt sich gewappnet. Die Noten für die neu arrangierten Stücke sind rechtzeitig fertig geworden und einstudiert. Darunter Songs wie "Chicago", "Vergessen ist so leicht", "Gute Musik", „Pizzaschachteln" und "Uh ,Girl". Außerdem spielt das ehrenamtliche Jugendorchester eine eigene Filmmusik nach dem Thüringer Komponist Steffen Heinze zum Klassiker "Metro-polis" an diesem Abend. "Das ist ein unglaubliches Projekt für uns. Ein komplettes Sinfonie-Orchester spielt mit integrierter Band und Sänger", schwärmt der Vorsitzende der Stüba Philharmonie Jens Kobe. Das bislang als LandesjugendspassOrchester (www.ljso.de) bekannte Projekt klassifizierte schon vor einem Jahr erste Clueso-Songs auf kleiner, geheimer Flamme. Jetzt gehen Stüba-Philharmonie, Clueso und Band auf die ganz große Bühne. Cluesos Kommentar: "Es ist einfach nur zu geil". Mitschnitte des Konzerts sollen als Extra auf die Live-DVD mit den Aufnahmen der vergangenen Clueso-Tour. Live zu hören ist das Sinfonie-Konzert aber auch ab 19 Uhr im Online-Stream von Radio Fritz. Der Berliner Jugendsender schließt mit Clueso sein Kulturprojekt K 07 ab.
FSK-Internetsenrice: www.fritz.de

- IM MITTELPUNKT: Popstar in the Air - Clueso kommt heute Abend ins Radio. (FSK-Fotos: H. Balkow, Universal) / Thüringer Allgemeine 03.02.07
Mit Pauken und Trompeten
Erfurter Wortakrobat Clueso und Thüringer Sinfonieorchester kultivieren Berlin
Von Massenkultur genervt startete Radio Fritz in Berlin eine Hilfsaktion für die Vielfalt. Als Highlight holten die Hauptstädtler aus Thüringen Verstärkung. Die Stüba Philharmonie, Clueso und Band demonstrierten im Radio und 2000 Live-Gästen, wo die Wiege der Klassik steht und gute, deutschsprachige Songwri-ter-Musik herkommt.
Von Henryk BALKOW
BERLIN.
„Live vor 'zigtausend Hörern mit Orchester und Band - ich war noch nie so aufgewühlt", sind Cluesos letzte Worte, bevor er die Bühne im alten Berliner Postbahnhof betritt. Seinen Rücken stärken die Band und rund 70 junge Orchestermusiker aus seiner Heimat. Die Stüba Philharmonie aus Thüringen wird dirigiert von Martin Lentz. Die Instrumente werden
noch einmal gestimmt, Clueso bittet das Publikum etwas ganz ungewöhnliches: „Bitte seid ruhig". Danach folgen 90 Minuten Kino unter der Haut. Mit
fesselndem Sound von 75 Instrumenten und einer eindrucksvollen Optik legt Clueso sein „geilstes Konzert ever" hin. „Diesen Tag werde ich nie
vergessen", sagte der glückliche Erfurter nach dem Konzert.
Dirigent Martin Lentz hat mit Clueso Klassik und Popmusik in Einklang gebracht und 'zigtausend junge Hörer wieder für die klassischen Sinfonie-Konzerte begeistert. „Für uns ist das nicht nur einfach ein Konzert. Wir machen Bock auf klassische Instrumente und Orchestermusik", bekräftigt Komponist Philipp Milner. Er hat zuvor die Popsongs von Clueso in klassische Stücke umgeschrieben. „Ich würde natürlich gerne auch in Thüringen mit Band und der Stüba Philharmonie in Opernhäusern auftreten, dafür muss sich halt nur der Support finden", erklärt Clueso.
Hip-Hop- und RnB-Star Max Herre nach seinem Gastauftritt beeindruckt im Postbahnhof: „Solche Projekte könnt nur ihr Thüringer machen."

- MITGESCHNITTEN: Die DVD von der Tour und dem Radio-Konzert erscheint im Juni / Thüringer Allgemeine 06.02.2007








