
- Die Probepausen vertreiben sich die Musiker mit „Kuip", einem schwedischen Geschicklichkeitsspiel. Foto: Schmidt
Junge Musiker proben und feiern mitten im Thüringer Wald
Schmiedefeld. (AA/ms) Es mutet ein wenig wie auf Klassenfahrt an. Jugendliche treffen nach und nach in der „Jugendbildungs- und Erholungsstätte" in der Nähe von Schmiedefeld ein. Es sind Mitglieder der „STÜBA philharmonie", die zehn Tage hier verbringen und für verschiedene Auftritte in den nächsten Tagen proben. Das Klassenfahrtgefühl ist durchaus gewollt. Jens Kobe, Organisator des Treffens erklärt: „Wir wollen hier natürlich auch ein wenig feiern und in lockerer Atmosphäre ein paar Tage verbringen." Die „STÜBA philharmonie" hieß bis letztes Jahr noch „LandesjugendSPASSorchester". „Den Namen hatten wir ausgewählt, weil wir die Musik ja alle aus Spaß machen", erklärt Kobe und fügt an: „Das Problem war, dass viele Leute bei Auftritten irgendwelchen Klamauk erwarteten." Die Ernsthaftigkeit der Musik sei ihnen aber schon wichtig. Deswegen dieses Jahr der Namenswechsel. Und die Aufführungen sind durchaus professionel. Unter den Mitgliedern sind viele Musikstudenten. „STÜBA" weil Kobe aus Stützerbach stammt und dort das Orchester vor zehn Jahren gründete. Mittlerweile lebt er in Görlitz und studiert dort Kulturmanagement. Trotzdem kommt er jedes Jahr in seine Thüringer Heimat zurück. „Der Platz hier ist ideal für uns und mit dem Verwalter der Erholungsstätte verbindet uns mittlerweile eine Freundschaft", erläutert der 25-jährige. Vier mal treffen sich die Musiker im Jahr. Aber nie in so großen Rahmen. Von den circa 100 Mitgliedern sind ungefähr 70 gekommen. „Im Winter kommen wir auch für ein paar Tage hier hoch. Aber dann ohne unsere Instrumente", schildert der Student und schmunzelt dabei. Mit der Organisation sei er eigentlich das ganze Jahr beschäftigt. Geld bekommt er dafür keines. Ganz im Gegenteil wird vieles von den Mitgliedern selbst finanziert. Kobe stört das aber nicht. Er lebt für die Idee. Daß die „STÜBA philharmonie" in den letzten Jahren von sieben Mitgliedern auf knapp hundert angewachsen ist, gibt ihm recht.

Würden Sie zum Konzert eines „Spaßorchesters" gehen? Diese Frage braucht man sich nicht mehr zu stellen, da sich das LandesjugendSPASSorchester seit Beginn des Jahres „STÜBA philharmonie" nennt, allerdings trotz dieser Umbenennung die bisherigen Ziele von Orchester und Verein bestehen bleiben.
STÜTZERBACH. Eine Gruppe musikbegeisterter Jugendlicher traf sich erstmalig 1996 im Thüringer Wald, inzwischen hat sich daraus ein eingetragener Verein mit knapp 100 musizierenden Mitgliedern entwickelt, welche sich inzwischen mehrmals im Jahr zu gemeinsamen Projekten treffen — wie dem Konzert zur Kirchweihe in der Kirche zu Frauenwald in Quartettbesetzung. Dem Orchester geht es um eine harmonische Gemeinschaft, lustiges Beisammensein in lockerer Atmosphäre, neue Bekanntschaften und vor allem um Spaß am Musizieren in großer sinfonischer Besetzung, ohne Qualität und Anspruch der Musik in den Hintergrund zu rücken. Auch in diesem Jahr hat sich das Orchester mit einem anspruchsvollen Programm hohe Ziele gesteckt. Unter der Leitung des schon bekannten Dirigenten Martin Lentz aus Jena erklingt die Märchensuite „Spalicek" von Bohislav Martinu und das sehr kraftvolle Werk „Orawa", des polnischen Komponisten Wojciech Kilar. Als Höhepunkt des Konzertabends wird die 7. Sinfonie von Antonin Dvorak gespielt — eine sehr bunte Mischung, bei der hoffentlich nicht nur für jeden etwas dabei ist, sondern die für die Zuhörer genau das Richtige darstellt.
Am Sonntag, dem 27. August, um 17 Uhr wird mittlerweile zum sechsten Mal ein Benefizkonzert für das rumänische Kinderheim Ineu in der St. Jakobuskirche zu Ilmenau veranstaltet. Des Weiteren folgen nach der achttägigen gemeinsamen Probezeit ein Kinderkonzert in der Lukaskirche zu Leipzig am 25. August, um 17 Uhr, und ein weiteres Konzert in der Marienkirche zu Greiz am 26. August, um 19.30 Uhr.

STÜTZERBACH. Zu einem gemeinsamen achttägigen Proben traf sich die „STÜBA philharmonie" in diesen Tagen in der Bildungsstätte am Rennsteig, bevor die jungen Musiker von Freitag bis Sonntag Konzerte geben. Die Jugendlichen, bisher als „LandesjugendSPASSorchester" bekannt, kommen mehrmals im Jahr zusammen, sie genießen die gemeinsame Freude am Musizieren und das harmonische Beisammensein. Nach den Probetagen geben sie am Sonntagnachmittag ab 17 Uhr in der Ilmenauer Kirche St. Jakobus ein Benefizkonzert für das rumänische Kinderheim Ineu, Freitag gastieren sie in Leipzig und Samstag in Greiz.

- Die Umgebung mitten im Thüringer Wald ist perfekt für die jungen Musiker der „STÜBA Philharmonie". Zum einen ist genug Ruhe, um ungestört üben zu können. Zum anderen bietet das Areal rund um die Jugendherberge genug Platz für andere Aktivitäten neben dem Musizieren. Einmal im Jahr treffen sie sich hier für zehn Tage. Zum Abschluss des Treffens werden sie ein Benefizkonzert in der St. Jakobuskirche in Ilmenau geben. Foto: Schmidt
Schmiedefeld (AA/ms). Die Jugendherberge liegt mitten im Wald auf dem Weg nach Frauenwald, 200 Meter entfernt vom Bahnhof Rennsteig. Aus den verschiedenen Räumen hört man klassische Musik. Streicher, Bläser von überall kommen andere Töne, die immer wieder kurz verhallen. Die „STÜBA philharmonie" probt gerade für ihre Konzerte. Das Letzte, am 27. August um 17 Uhr in der St. Jakobuskirche in Ilmenau, ist eine Benefizveranstaltung. Die Einnahmen sind für ein Projekt, das sich um sozial benachteiligte Jugendliche in Rumänien kümmert. „STÜBA" kommt von Stützerbach, dem Heimatort von Jens Kobe, dem Gründer der Philharmonie. „Vor zehn Jahren hatte ich mich mit Freunden zum Feiern hier getroffen. Jeder hatte ein Instrument dabei und so ist die Idee entstanden, sich jedes Jahr zu Treffen und gemeinsam zu feiern und Musik zu machen", erklärt der 25-jährige die Entstehung. Damals waren sie sieben Leute. Über Mundpropaganda kamen jedes Jahr mehr dazu. Mittlerweile hat das Orchester circa hundert Mitglieder, zwischen 17 und 30 Jahren, aus ganz Deutschland und selbst aus Krakau kamen Musikerinnen auf den Rennsteig. Mehr über die „STÜBA philharmonie" auf Seite 2.

- FILMREIF: Die Großbreitenbacher haben gestern mit Bravour eine Aufgabe von Radiosender „Landeswelle Thüringen" gemeistert. Bei „Scholles Bürgermeisterschaften" sollten sie den Untergang der Titanic im größten Freibad der Region nachstellen.

- In einer Lagerhalle auf dem Rennsteig probt die „STÜBA philharmonie" für das Tourneefinale in der Sankt Jakobuskirche. FOTO: aha
„STÜBA philharmonie" bereitet sich auf ihr großes Konzert auf dem Rennsteig vor
VON ANDREAS HARTMANN
Noch bis Donnerstag proben die Musiker der „STÜBA philharmonie" versteckt auf dem Rennsteig eifrig für ihre kleine Tournee, deren Finale am kommenden Sonntag mit einem Benefizkonzert in der Ilmenauer Jakobuskirche stattfindet.
STÜTZERBACH - Die alte Lagerhalle inmitten des Waldes umgibt irgendetwas Geheimnisvolles. Hier oben im Wald, unweit des Hotels „Rennsteighöhe", gab es schon immer Geheimnisse. Das Bunkermuseum ist das Bekannteste. Doch noch wunderlicher sind die Fetzen von Musik, die derzeit aus jener alten Lagerhalle nach draußen dringen. Durch eine knarzige Eisentür geht es hinein. Es ist kälter als draußen. Am Eingang steht heruntergekommenes Pressspanmobiliar Spalier. Einige Schritte weiter, die Augen haben sich gerade an das Schummerlicht gewöhnt, verbreitert sich das Geelnden Ambiente einer zerlegten Bühne, alten Möbeln und einer als einzigen Farbklecks herausstechenden DDR-Fahne haben sich die Musiker der „STÜBA philharmonie" eingerichtet. Die musikbegeisterten Jugendlichen trafen sich erstmals 1996, um unter dem Namen „LandesjugendSPASSorchester" zu musizieren. Der alte Name ist inzwischen Geschichte, nicht aber der Verein mit seinen knapp einhundert Mitgliedern, der nun unter dem Namen „STÜBA philharmonie" weiter musiziert.
„Unsere Musiker haben sich in alle Ecken Deutschlands verstreut, einer kam sogar extra aus Mexiko angereist. Aber nun sind Ferien und wir können uns wieder treffen und musizieren", erzählt Jens Kobe. Der junge Stützerbacher ist der Vereinsvorsitzende. Er und seine Mitstreiter haben sich viel vorgenommen. Am Freitag soll in der Leipziger Lukaskirche ein Kinderkonzert gegeben werden, tags darauf ist man in Greiz. Der Höhepunkt ist aber das Benefizkonzert wo auch das kraftvolle Werk „Orawa" des polnischen Komponisten Wojciech Kilar zu hören sein wird. Und als Höhepunkt die 7. Sinfonie von Antonin Dvorak.
Gänsehaut, als das Orchester einsetzt
„Wir haben uns hier in die Stille zurückgezogen, um in aller Ruhe acht Tage lang üben zu können." Plötzlich muss Jens zurück auf die kleine Bühne. Zu seiner Trompete. „Baba-Di-Da" und „Bababa-Di" erläutert der Dirigent, der Martin Lentz heißt und aus Jena kommt, noch einmal den Streichern. Bei den Bläsern wird getuschelt und gelacht. Dann wird eine kleine Passage angespielt. Und nach wenigen Takten unterbrochen und korrigiert. Wieder Gemurmel und Lachen. Dann wird es kurz ernst. Dirigent Martin hebt den Stab. Die Streicher fangen an zu zupfen, während die beiden Oboen klader angeschlagenen Musik. Die eben noch düstere Halle wird merklich heller und wohliger. Fast wie ein Konzertsaal. Wenig später ist eine kurze Pause. Alles drängt nach draußen, ins Freie und Warme. Alles junge Menschen zwischen 17 und 30. Menschen die rauchen, Fußball spielen und sich bei dem im tiefsten sächsisch betonten Wort „Bitterfeld" den Bauch vor Lachen halten. Überhaupt wird hier viel gelacht. „Es geht bei uns locker zu, wir wollen ja den Spaß am gemeinsamen musizieren haben", meint Jens. Außen vor bleibt niemand. Auch nicht die beiden Gastmusiker aus Polen, die spontan zum Orchester dazugestoßen sind und nun voll mitmachen. Selbst die Familien sind mit dabei und wohnen wie die Musiker in der Jugendherberge, die nach dem Proben reichlich Platz und Aktivitäten bietet. Und lange und lustige Abende am Lagerfeuer. Die Freude und der Spaß des jungen Orchesters an der Musik

- Die Musiker des Orchesters „STÜBA philharmonie" bei ihrem Auftritt am Samstagabend in der Greizer Stadtkirche. (Foto: Silke Groß)
Junge Musiker von „Stüba" begeistern das leider nur kleine Publikum in der Stadtkirche
Von Irmengart Müller-Uri Greiz.
Es war keineswegs ein Ulk-Konzert. Das, was die Zuhörer nach der spärlichen und etwas unklaren Werbung im Vorfeld nun am Samstagabend unter dem Namen „Stüba" in der Stadtkirche vorfanden, waren Jugendliche, denen zwar das Musizieren Spaß macht, die aber ernsthaft und mit vollem Einsatz musizieren.
Sie haben nicht nur dabei Freude an der Gemeinschaft, sondern auch beim Wandern im Thüringer Wald. Die Mitglieder des Orchesters kommen zum Teil aus dem Landesorchester Thüringen, es sind Musikstudenten aus ganz Deutschland, aber auch Absolventen von Musikschulen, die nicht Musik studieren und einige wenige Profis zur Unterstützung. Auch eine ehemalige Greizer Musikschülerin, die Stavenhagen-Preisträgerin Kirstin Kroneberger, war als Bratschistin dabei.
Als das Musizieren vor zehn Jahren begann, wagten weniger als zehn junge Leute den Start. Heute treffen sich jährlich 70 bis 100 junge Musiker in einer Hütte am Rennsteig nahe Stützerbach - daher „Stüba" - und musizieren. Das Orchester konzertiert für einen guten Zweck: Es unterstützt mit seinen Einnahmen ein Kinderheim in Ineu (Rumänien), das die Musiker auf einer Konzertreise 2004 entdeckten. Das Konzert begann mit Orawa, einer Komposition für Kammerorchester des polnischen Komponisten Wojciech Kilar (geb. 1932), der darin die reizvolle Lage eines Dorfes südlich von Krakau schildert. Unter Leitung von Martin Lentz, Lehrer und Orchesterleiter an der Musik- und Kunstschule Jena, interpretierte das Orchester das sich aus
einem sich ständig wiederholenden Themenkern bis zu stampfender Motorik aufbauende und mit Zigeunermelodik schließende Werk betont rhythmisch und musikalisch differenziert. Kompositorisch faszinierender war das folgende Gesangsballett Spalicek des aus Böhmen stammenden Komponisten Bohuslaw Martinu. Er setzte ein altes mährisches Märchen musikalisch-programmatisch in elf Teilen um, deren Inhalt verbal dazwischen vorgetragen wurden. Martinu verband darin tschechische Folklore mit impressionistischen Klangfarben und raffinierter moderner Instrumentation zu einem individuellen Stil. Da kommt zum Beispiel nach dem furiosen „Tanz der Teufel" ein leicht musizierter Abschnitt, dann ein von Blechbläsern vorgetragenes herzhaftes Lachen des Spalicek, und später kennzeichnet ein düsterer Klang tiefer Streicher „Die schwarze Stadt".
Es war ein reizvolles, aber auf Grund häufiger Taktwechsel und komplizierter Rhythmen schwieriges Werk, das Dank des erfahrenen Dirigenten vom Orchester gut beherrscht wurde, vor allem von den Bläsern. Dennoch hätte man sich hier und auch bei der folgenden 7. Sinfonie von Antonin Dvorak vom Dirigenten über das Gediegene hinaus etwas mehr Temperament und Expressivität gewünscht. Dvoraks romantische Diktion, seinen warmen Orchesterklang und seine blühende Melodik trafen die jungen Musiker. Sie musizierten mit Intensität den 1. Satz mit seinen wechselnden Stimmungen, den wunderschönen 2. Satz, danach mit tänzerischem Schwung das Scherzo und mit Engagement das Finale bis zum rasanten Schluss. Das leider nur kleine Publikum spendete großen Beifall und wurde mit einem Werk von George Gershwin als Zugabe belohnt.

- Die Stüba Philharmonie gibt in der Jakobuskirche Ilmenau ein Konzert. Etwa 300 Zuhörer verfolgen die Aufführungen von Kilar, Martinü und Dvorak. FOTO: MARINA HUBE
VON MARINA HUBE - Der Sonntag klang für etwa 300 Ilmenauer mit einer Sinfonie aus, zu hören in der Jakobuskirche, vorgetragen von der Stüba Philharmonie. Und mit diesem Klang war wieder die Gewissheit da, ganz in unserer Nähe entsteht wunderbares.
ILMENAU - Im Jahr eins gaben die Musiker der Stüba Philharmonie über zwei Stunden ihr Konzert, dabei spielen sie teilweise bereits seit zehn Jahren zusammen. Noch bis vor einem Jahr waren sie als Landesjugendspaßorchester bekannt, die regelmäßig aber selten gemeinsam in der Nähe von Stützerbach proben. In jedem Jahr entsteht ein neues Programm, das in gemeinsamer Abstimmung zusammengestellt wird. Und am Ende der Probewoche darf es Wunschvorschläge geben, erklärt eine der 70 bis 100 Musiker, die diese Philharmonie ausmachen. Es sind junge Menschen mit Herz für Musik, die sich aus einer Idee heraus zusammengefunden haben. Begonnen hat es mit sechs, sieben Freunden um den Stützerbacher Jens Kobe und schon im Jahr darauf haben Freunde weitere Freunde mitgebracht, die das gemeinsame Musizieren toll fanden. Dabei spielt es keine Rolle ob es Berufsmusiker, Musikstudenten oder Laien sind. Mit dem Herzen dabei zu sein, ist ein wesentliches Kriterium. Dies ist in den Konzerten zu spüren, die die Künstler, am Sonntag meist in schwarz-rot gekleidet, mit ihren Auftritten in Leipzig, Greiz und in Ilmenau gaben.
Zehn Tage Proben und Arbeiten scheint nicht viel, wenn die Zuhörer dann verfolgen, was daraus entstanden ist.
Gerade einmal zehn Jahre vor ihrem ersten Treffen hat der Komponist Wojciech Kilar "Orawa für Kammerorchester" komponiert. Dieses stand in diesem Jahr auf dem Programm. Ein schwieriges Stück, das phantastisch umgesetzt wurde. Viel Beifall auch für das Gesangsballett "Spalicek" von Bohuslav Martinu. Hier wechselte sich eine Märchenerzählung mit instrumentaler Umsetzung ab. Viele mögen dabei an "Peter und der Wolf" erinnert worden sein, eines der Musikstücke, mit denen Schulkinder die Instrumente erklärt bekommen und in klassisehe Musik eingeführt werden. Nur wäre es zu simpel zu sagen, ja, so war es. Denn was die Musiker im Alter zwischen 17 und 30 Jahren boten, war schon höhere Kunst, die mit viel Beifall belohnt wurde. Nur eine kurze Pause war Musikern und Zuhörern vergönnt, bevor es mit Antonin Dvorak und seiner Sinfonie 7 D-Moll den Schlussakkord gab.
Das Konzert war als Benefizkonzert angelegt. Bisher wurde immer ein Kinderheim in Ineu (Rumänien) unterstützt, doch der eigene hohe Aufwand (in diesem Jahr 15000 Euro) machten es erforderlich, die Einnahmen dem eigenen Verein zugute kommen zu lassen: "Es bleibt bei den bedürftigen Kindern vor Ort, es bleibt bei uns." Vereinsvorstand Matthias Eichhorn erklärte, dass die Konzertreisen nach Leipzig und Greiz voll eigenfinanziert werden mussten. In diesem Jahr blieben die ausgereichten Zuwendungen aus Lottomitteln, wie es sie in den Vorjahren gab, aus.
Die Musiker sind zuversichtlich, auch im nächsten Jahr dem Ilmenauer Publikum einen solchen Hörgenuss schenken zu können und das Ziel, die Unterstützung eines rumänischen Kinderheimes, weiter verfolgen zu können. Die Programmwunschliste wird bereits auf machbares untersucht. Dabei sind es vor allem die Streicher, die sich anschauen, was umsetzbar ist. Sie besorgen sich Hörbeispiele und Partituren.
Neben diesem Sinfoniekonzert gibt es ein Kammerprojekt Chorwerke für barocke Ensemble und seit vier Jahren auch Puppenspiele mit Musik. Auftritte hatte die Stüba Philharmonie unter anderem auch in Jena zur Kulturarena und zum Leipziger Hörspielsommer.
Wer sich für die "Stüba Philharmonie" engagieren möchte, kann Fördermitglied werden. Zudem gibt es mehr Informationen unter: www.stueba.de.

- Nach dem Benefizkonzert kommenden Sonntag in Ilmenau treten die jungen Künstler auch in Leipzig und Greiz auf. FOTO: HARTMANN
Wenn sich eine Gruppe Jugendlicher trifft, um anderen zu helfen, dann ist das auch heute gewiss nicht selbstverständlich. Was dabei herauskommt, können die Ilmenauer zur eigenen Freude am Sonntag live mitverfolgen.
ILMENAU - Dann tritt das LandesjugendSPASSorchester, das sich inzwischen in STÜBAphilharmonie (steht für Stützerbach) umbenannt hat, mit einem Benefizkonzert für das rumänische Kinderheim Ineu in der Ilmenauer St. Jakobuskirche auf und lädt herzlich dazu ein. Es wird dies das sechste Benefizkonzert der jugendlichen Musiker für das Kinderheim in Südosteuropa und nach Ilmenau stehen bereits weitere Gastspiele in der Lukaskirche zu Leipzig und der Marienkirche zu Greiz im Programm.
Erstmalig trafen sich die musikbegeisterten Jugendlichen 1996 im Thüringer Wald. Inzwischen ist daraus ein eingetragener Verein gewachsen, berichtet Vorsitzender Jens Kobe. Zu diesem gehören inzwischen knapp einhundert musizierende Mitglieder.
Mehrmals im Jahr wird sich zu gemeinsamen Projekten getroffen. Das jüngste Konzert hatte es zur Kirchweihe in Frauenwald in Quartettbesetzung gegeben, erinnert der Vorsitzende.
Für das laufende Jahr hatte sich das Orchester "mit einem anspruchsvollen Programm hohe Ziele gesteckt", teilt Kobe mit. Unter Leitung des bekannten Dirigenten Martin Lentz aus Jena erklinge die Märchensuite "Spalicek" von Bohislav Martinu und das kraftvolle Werk "Orawa" des polnischen Komponisten Kilar. Als Höhepunkt des Konzertabends werde die 7. Sinfonie von Antonin Dvorak aufgeführt. Geboten werde damit eine "sehr bunte Mischung", kündigt Kobe an. Los geht es am 27. August in der Jakobuskirche 17 Uhr.

- GROSSARTIG: Als großes Orchester machten die mehr als 60 jungen Musiker zur Freude von Alt und Jung große und schöne Musik.
Kein Spaß mehr an der Musik? Nein! Nun seien sie der schweren Zeit der Pubertät entwachsen und reif gewesen für das Mutieren vom LandesJugendSpaßOrchester zur "STÜBA Philharmonie", begründete der Moderator den Namenswechsel am Sonntagnachmittag bei der Begrüßung einer sehr gemischten und sehr, sehr großen Zuhörergemeinde in der Ilmenauer Sankt Jakobuskirche.
ILMENAU (et). Wie in jedem Jahr gönnten sich die als Orchester auf Zeit zusammengeschlossenen jungen
Leute um den Dirigenten Martin Lentz und den Urschöpfern der Musikervereinigung — der Stützerbacher Trompeter Jens Kobe sei hier als Hauptinitiator namentlich genannt - die Freude des Musizierens in Ilmenau und den Zuhörern ein schon lange erwartetes musikalischsinfonisches Großerlebnis.
Es wird immer seltener, dass man eine solch große Musikerformation, wie sie die "STÜBA Philharmonie" darstellt, hier zu Gesicht und zu hören bekommt. Einmalig im Konzertgeschehen dieser Gattung wird bleiben, dass die Konzertgäste ihren Eiritrittsobolus beim Verlassen des Konzertes selbst festlegen und entrichten, weil die jungen Leute als eingetragener Verein für eine Spende für den guten Zweck musizieren.
Ein Blick ins gut gestaltete Programmheft ließ, noch bevor der erste Ton erklang, neugierige Erwartung aufkommen. Was "Orawa für Kammerorchester" musikalisch beinhaltet, erfuhr das Publikum von mehr als 40 Streichern, die mit ihren Instrumenten nicht nur den gewohnten Streichersound produzierten, sondern ein rhythmisch-melodisches Feuerwerk voller Klangfarbenpracht abfackelten. Der Hintergrund dieses von Wojciech Kilar 1986 komponierten Werkes erschloss sich nur lesend: "Orawa ist ein Dorf ungefähr 100 Kilometer südlich von Krakau, welches der Komponist durch die Farben der Bergwelt im Zusammenspiel mit einem zauberhaften Licht zu beschreiben versucht." Nach so viel schöner Naturbeschreibung brachte Märchenhaftes von Bohuslav Martinu eine weitere Steigerung des Hörgenusses durch den Einsatz aller Instrumentengruppen. Das elfsätzige Ballettstück erzählt in Worten und mit viel Musik eine zauberhafte Geschichte, die nicht nur die anwesenden Kinder zu begeistern vermochte. Dass in diesem sehr bewegten Stück auch die Teufel musikalisch in der Kirche tanzten, war gewiss ein Novum im Gotteshaus. Mit ziemlicher Gelassenheit nahmen dies Musiker wie Publikum hin und hatten ihren spürbaren Spaß am märchenhaften Geschehen.
Zu hoher Form mit Spaß am Ernst liefen die Musiker unter dem fordernden Dirigat von Martin Lentz auf, als sie nach der Pause die 7. Sinfonie d-Moll op. 70 von Antonin Dvorak spielten. Die freundlichidyllischen Passagen des Werkes brachten die Musiker über den im Grunde dunkel und düsteren Grundton besonders hell zum Leuchten. Der Wechsel vom vorherrschenden Moll hin zum Dur am Ende der Sinfonie ließ kraftvolles musikalisches Licht erstrahlen und mündete nach der Verharrungssekunde in den Schlussbeifall der Zuhörer und in Jubelrufe nicht nur von Jugendlichen.


